Sinn-voller Zweifel

Impuls des Monats

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Ich bin mir manchmal nicht so sicher, ob das Sinn ergibt, dass der Himmel voll sein soll, aber das Herz von Menschen, die gegen Menschen Krieg führen, so leer ist.
Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das Sinn ergibt, dass in der Kirche von Nächstenliebe gepredigt, aber über das richtige Abendmahlsverständnis gestritten wird.
Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das Sinn ergibt, dass der Heilige Geist so eine enorme Superpower ist, ich mich an manchen Tagen aber immer noch so schwach und machtlos fühle.
Ich bin mir manchmal nicht so sicher, ob das Sinn ergibt, dass das Kreuz - ein Symbol für Verwerfung und Sterben - für mich bedingungslose Annahme bedeuten kann.
Ich bin mir manchmal nicht so sicher, ob das Sinn ergibt, dass Gott durch ein 2000 Jahre altes Buch zu mir spricht, aber meine Gebete scheinbar so oft Schweigen ernten.
Ich bin mir manchmal nicht so sicher, ob das Sinn ergibt, dass über Himmel und Hölle der Glaube an einen Gott entscheidet, den so viele Menschen ja gar nicht kennen können.
Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das Sinn ergibt, dass ich schon so lange mit Jesus unterwegs bin, aber immer noch derselbe unzulängliche und keinen Deut besser gewordene Mensch wie vor 15 Jahren bin.
Cut.
Ich bin Thomas. Ich bin einer der zwölf Jünger Jesu. Man wird mich "der Zweifler" nennen, denn als Jesus starb, sah ich zurück auf die gemeinsame Zeit mit ihm, auf Wunder und Weisheit, auf Kraft und Krankenheilungen, auf Visionen und Versprechen. Und plötzlich ließ mich die Frage nicht mehr los, ob das überhaupt alles einen Sinn ergibt. "Vertrau doch etwas mehr!", "Stell nicht so viele Fragen!", "Das ist eben eine Sache des Glaubens" tadeln mich die anderen. Und ich bin mir manchmal nicht sicher, ob das Sinn ergibt, dass Jesus gerade mich berufen hat, obwohl ich das mit dem Glauben am wenigsten schaffe. Und ich bin mal einfach ganz ehrlich. "Ich kann dich nicht lieben, Jesus", sage ich ehrlich und so beiläufig wie möglich als er dann plötzlich doch wieder vor mir steht. "Macht nichts", sagt Jesus und legt seine Hand auf seine Schulter. "Ich bin gekommen um dich zu lieben". Und das allein ergibt plötzlich Sinn. Sinn voller Zweifel.